7. Station: Friedrich-Ebert-Ring 8 - Familie Salomon

Wir überqueren jetzt den Friedrich-Ebert-Ring und setzen auf der anderen Seite den Weg in Richtung Pfaffendorfer Brücke/Rhein fort.

Hier finden wir am Haus Friedrich-Ebert-Ring 8 drei Stolpersteine. Sie sind der kleinen Familie Salomon gewidmet.


Der Vater Arthur Salomon war hier Rechtsanwalt am Landgericht Koblenz. 


Foto: Dr. Arthur Salomon mit Tochter Ruth

Schon sein Vater, Dr. Bernhard Salomon, war in Koblenz Rechtsanwalt und trug den Ehrentitel Justizrat. Arthur Salomon machte hier Abitur, war Soldat im Ersten Weltkrieg und auch Frontkämpfer. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften, der Promotion und der Referendarzeit trat er in die Anwaltskanzlei seines Vaters ein. Dr. Salomon war verheiratet mit seiner Frau Alma. Die beiden hatten die Tochter Ruth. 


Foto: Tochter Ruth Salomon

Arthur Salomon war lange Jahre auch Bezirksvorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Gegründet wurde dieser Bund unmittelbar nach dem Krieg. Das war ein Traditionsverein der jüdischen Soldaten. Er sorgte für den Zusammenhalt der Soldaten und hatte insbesondere auch die Aufgabe, das Andenken an die gefallenen jüdischen Soldaten wachzuhalten. Denn schon während des Krieges wurden die Juden dafür geschmäht, dass sie sich vor dem Kriegsdienst gedrückt hätten und überhaupt nicht vaterländisch gewesen seien. Das waren Fake News, sie wurden bewusst zur Diffamierung der Juden verbreitet. Tatsächlich waren viele Juden Soldaten im Ersten Weltkrieg. 12.000 jüdische Soldaten fielen für ihr Vaterland. Sehen Sie hier eine Anzeige des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die darüber aufklärt.


Foto: Bild mit der trauernden Mutter

Gegen diese Hetze und gegen die antisemitische Hetze insgesamt kämpfte der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mit seinen Möglichkeiten an. Viel Erfolg war ihm – wie wir heute wissen – nicht beschieden. Der in der Bevölkerung seit Jahrzehnten wabernde Antisemitismus wurde immer populärer und half mit, die Nazis an die Macht zu bringen.

Nach der Machtübernahme der Nazis sah der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten seine Aufgabe auch darin, die Auswanderung ihrer Mitglieder zu propagieren und dabei Hilfestellung zu geben. Dieser Erfolg war aber auch nicht sehr groß.

Seit dem sog. Judenboykott am 1. April 1933 ging die Anwaltspraxis von Dr. Salomon – wie allgemein auch – zurück. Von den Nürnberger Rassengesetzen vom 15. September 1935 war er – weil er „Frontkämpfer“ war – nicht unmittelbar betroffen. Natürlich gab es Anfeindungen und auch einen Rückgang in den Mandaten. 

Im Rahmen der „Reichspogromnacht“ am 9./10. November 1938 wurde Dr. Salomon - wie 30.000 andere jüdische Männer auch – verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau bei München verschleppt. Nach sechs Wochen kam er wieder frei. 

Zur gleichen Zeit lief bei ihm die Ausnahmeregelung für Frontkämpfer aus. Wie der Arzt Dr. Hugo Bernd seine Approbation verlor, so verlor Dr. Salomon seine Zulassung als Rechtsanwalt. Er war dann „nur“ noch „Rechtskonsulent“ und durfte nur noch jüdische Mandanten vertreten.

Hier sehen Sie noch ein Foto von Dr. Arthur Salomon mit seiner Tochter Ruth. Das Kind ist zum Purimfest – eine Art Karneval – als Köchin verkleidet. Das Foto ist offenbar hier am Friedrich-Ebert-Ring 8 aufgenommen worden.

Die Familie Salomon, Vater Arthur, Mutter Alma und Tochter Ruth wurden dann mit der 1. Deportation von Koblenz aus am 22. März 1942 „nach dem Osten“ verschleppt. Sie waren mit der zuvor erwähnten Bertha Schönewald – unter den 338 Menschen jüdischer Herkunft, die vom Bahnhof Koblenz-Lützel in das Durchgangsghetto Izbica bei Lublin im dem von Deutschland besetzten Polen, dem Generalgouvernement, deportiert wurden.

Wenn sie die tagelange Fahrt überstanden und auch die ersten Monate in dem Durchgangslager Izbica überlebt hatten, wurden sie dann in das nicht weit entfernte Vernichtungslager Sobibior verschleppt und dort noch am Tag ihrer Ankunft in der Gaskammer mit Motorabgasen ermordet.