Die Familie Oster stammt aus Oberfell an der Untermosel. Dort wird Josef Oster am 2. Dezember 1882 geboren. Er ist der jüngere Bruder von Berthold (*1879). Sie haben eine jüngere Schwester, Elma/Emilie. Berthold ist mit Johanna, geb. Scholem, und Josef mit Bertha (genannt Bertl), geb. Kahn, verheiratet, Elma hat Ernst Katz geheiratet. Josef und Berthold betreiben eine Lederhandlung in Koblenz in der Löhrstraße 123. 1926 kommt Josefs und Berthas Sohn Kurt zur Welt.

 

1930er Jahre Jedenfalls Ende der 1930er Jahre wohnen alle Geschwister mit ihren Familien in der Bahnhofstraße 27 in Koblenz. Das Haus gehört Josef Oster, es ist inzwischen zu einem „Judenhaus“ der Stadt geworden.

10. November 1938 Unmittelbar nach dem Novemberpogrom wird den jüdischen Kindern verboten, öffentliche Schulen zu besuchen. Auch Kurt wird von der Schule verwiesen. Seine Eltern sorgen für seine weitere Ausbildung und schicken ihn in die jüdische Internatsschule nach Köln.

Anfang Februar 1939 Josef Oster und seine Schwester Emilie Katz fliehen aus Koblenz, überqueren illegal die belgische
Grenze und schlagen sich bis Brüssel durch. Daraufhin leitet die Gestapo Koblenz ein Verfahren gegen sie wegen Devisenvergehens ein und betreibt deren Ausbürgerung.

Juli 1939 Josef Oster beantragt in Brüssel einen Reisepass, er wird für ein halbes Jahr genehmigt. Danach wird er ausgebürgert.

August 1939 Jakob Faber (*1893 in Mertloch), ein Schwager(?) von Josef Oster, flieht von Koblenz ebenfalls nach Brüssel. Zuvor war er im Zuge des Novemberpogroms Mitte November 1938 verhaftet und vorübergehend im Konzentrationslager Dachau bei München inhaftiert worden.

10. Mai 1940 Hitler-Deutschland beginnt den „Westfeldzug“ und überfällt Luxemburg, die Niederlande und auch Belgien. Um der deutschen Besatzung zu entgehen, taucht Emilie Katz unter. Josef Oster und Jakob Faber gehen nicht in den Untergrund, fliehen auch nicht. Sie werden – wie viele andere – von der belgischen Polizei festgenommen und kommen in ein Internierungslager im südlichen Frankreich, Josef Oster in das Lager Gurs, Jakob Faber in das Lager St. Cyprien.

16. November 1940 Bertha (Bertl) Oster stirbt wenige Tage vor Vollendung ihres 40. Geburtstags in Koblenz. Der 14-jährige Sohn Kurt zeigt ihren Tod an.

18. Dezember 1940 Berthold Oster und seine Frau Johanna erhalten Reisepässe für die Flucht nach Argentinien.

16. Januar 1941 Berthold schafft es nur bis Portugal. In Lissabon, noch vor dem Einschiffen, erleidet er einen Herzschlag und ist tot.

22. März 1942 Der 15-jährige Kurt Oster, dessen Mutter im November 1940 gestorben und dessen Vater geflohen und in Frankreich interniert ist, wird mit 337 anderen jüdischen Menschen von Koblenz mit dem 1. Transport in das Durchgangsghetto Izbica bei Lublin im Generalgouvernement deportiert. Er kommt auf dem Weg dorthin oder während des Aufenthalts in Izbica ums Leben oder wird im Herbst 1942 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort mit giftigen Autoabgasen ermordet.

17. August 1942 Josef Oster wird mit anderen Internierten vom Lager Gurs in das Sammellager Drancy bei Paris verschleppt. Dort bringt man ihn mit dem Transport Nr. 20 zusammen mit 999 Personen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Bei der Ankunft werden 878 sofort in die Gaskammern getrieben und ermordet. 1945 überleben von den 1.000 Deportierten 3 Menschen. Josef Oster ist nicht unter ihnen.

28. August 1942 Auch Jakob Faber wird nach Drancy verschleppt und dem Transport Nr. 25 (Zug 901-20) zugeteilt. Mit 999 anderen kommt auch er in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Bei der Ankunft werden 929 Menschen mit Giftgas ermordet. 1945 überleben von den 1.000 Deportierten 8. Jakob Faber ist nicht unter ihnen.